Im Dezember jährt sich die Gründung der UFA zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet das Mannheimer kommunale Kino Cinema Quadrat diesem größten, glamourösesten und umstrittensten deutschen Filmkonzern zwei Abende.

Die Universum Film AG (UFA) wurde am 18. Dezember 1917 auf Betreiben der Obersten Heeresleitung gegründet, um Propaganda und psychologische Kriegsführung zu unterstützen. In der Weimarer Republik entwickelte sich die Filmfirma zu einer der führenden europäischen Produktionsstudios. Etliche Klassiker des deutschen Films gehen auf das Konto der UFA. In den späten 1920er Jahren geriet das Unternehmen zunehmend unter politischen Einfluss, 1927 wurde sie vom nationalistischen Medienunternehmer Alfred Hugenberg übernommen. Ab 1933 unterstand die UFA dem Propagandaministerium mit Joseph Goebbels an der Spitze. Ab 1937 wurde sie verstaatlicht, 1942 wurde die gesamte deutsche Filmproduktion in der UFA-Film GmbH zusammengefasst. Nach 1945 zerschlugen die Besatzungsmächte die UFA – zu der neben Filmproduktion auch Verleih und Kinobetriebe gehörten. In den 1950ern war die UFA eine Filmfirma unter vielen, bis 1961 die Filmproduktion eingestellt wurde. Bertelsmann übernahm das Unternehmen, heute ist es in der Produktion von Kinofilmen, Fernsehfilmen und TV-Serien aktiv. Geschäftsführer ist Nico Hofmann.

Münchhausen

Münchhausen

DEU 1943. R: Josef von Baky. D: Hans Albers, Käthe Haack, Brigitte Horney, Ferdinand Marian, Wilhelm Bendow. 115 Min. FSK: 6

1917 schwebte dem deutschen Generalstab vor, einen großen deutschen Filmkonzern zu gründen, um auch mit bewegten Bildern Krieg führen zu können. Am 18. Dezember – vor 100 Jahren – wurde folglich die Universum-Film AG, kurz UFA, gegründet. Zum Jubiläum dieser größten, glamourösesten und umstrittensten deutschen Filmproduktionsfirma laufen an zwei Abenden zwei recht verschiedene Filme. MÜNCHHAUSEN wurde von Goebbels zum 25-jährigen Firmenjubiläum in Auftrag gegeben: Ein opulentes Farbfilm-Abenteuer um den bekannten Lügenbaron, das mit großem Aufwand und Starbesetzung die Zuschauer zum Staunen brachte. Dabei schlägt der Film durchaus subversive Töne an: Hans Albers war ohnehin auf Distanz zum Regime, und das Drehbuch verfasste – mit Sondergenehmigung – der verfemte Erich Kästner.

Vortrag „Die Ufa: Wirtschaft und Politik“: Harald Mühlbeyer

Mo. 04.12.2017, 19:30 Uhr

Schwarzer Kies

Schwarzer Kies

DEU 1961. R: Helmut Käutner. D: Helmut Wildt, Ingmar Zeisberg, Hans Cossy, Wolfgang Büttner. 114 Min. FSK: 16

In der Nähe eines Hunsrückdorfes, ursprünglich mit 261 Einwohnern, steht eine US-Airbase. Nun sprießen im Bauernkaff Prostitution und Korruption. Mitten drin: Robert Neidhardt, der mit seinem Laster Kies zur Flughafenbaustelle transportiert – und auch einige LKW-Ladungen schwarz vertickt. Er laviert sich auf der Suche nach seinem Vorteil durch die Nachkriegsjahre – doch ein tödlicher nächtlicher Unfall bringt alles ins Wanken. Am zweiten Abend zum 100. Gründungsjubiläum zeigen wir die letzte Produktion der klassische UFA, eine schonungslose Abrechnung mit der opportunistischen Wirtschaftswundergesellschaft, erzählt als so spannendes wie realistisches Thrillerdrama. Der Film eckte an, wurde gekürzt – und ist nun in der restaurierten Premierenfassung neu erschienen.

Vortrag „Die Ufa: Filmkunst und Ästhetik“: Harald Mühlbeyer

So. 10.12.2017, 19:30 Uhr