KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center

15.03.10

Auch der unerbittliche Tod hat manchmal Erbarmen

Der Mannheimer Morgen bereichtete über den Stummfilmabend in der Matthäuskirche

Autor: Michael Westerburg
Erschienen im Mannheimer Morgen vom 12.3.2010

Eine vertonte Stille erlebten die Besucher der evangelischen Matthäuskirche in Neckarau. Cinema Quadrat präsentierte den Stummfilm „Der müde Tod“. Das Tintinambula-Ensemble begleitete mit seiner Komposition den Abend musikalisch. Eine junge Frau verliert in einer Rahmenhandlung ihren Geliebten an den Tod. In drei Sequenzen, die im Orient, Venedig und China spielen, erzählt der Tod ihr, warum er seiner Aufgabe müde geworden ist. Dabei fordert er von ihr, die Liebe zweier Menschen zu retten und den Tod mindestens eines von drei Menschen zu verhindern.

Jeder dieser drei Sequenzen wohnt ein besonderer Charakter inne, den passende musikalische Motive untermalen. Dabei steht weniger einfache Lautmalerei im Vordergrund, als vielmehr das Geschehen im Film lebendig werden zu lassen und die filmische Atmosphäre zu vertonen.

Jeder hängt an seinem Leben
Als der jungen Frau die Rettung dieser Liebespaare nicht gelingt, fordert der Tod von ihr, innerhalb einer Stunde einen Lebenden zum freiwilligen
Verzicht auf sein Leben zu bewegen. Doch hängt jeder der befragten Menschen so an seiner diesseitigen Existenz. Musikalisch wird die Verzweiflung der jungen Frau immer  deutlicher. Schnelle Tonfolgen wechseln mit Glockenspiel ab, so dass die Hektik und der Zeitdruck erlebbar werden.

Erst als die Frau ein neugeborenes Kind aus den Flammen eines Hauses rettet, hat der Tod Erbarmen und lässt sie gemeinsam mit ihrem Geliebten in das Reich der Toten hinüber treten. Das Finale zeigt, dass Liebe stärker ist als der Tod.

Musikalische Motive
Als einzige Szene ohne musikalischen Hintergrund lässt sich die eintretende Stille hören und die aufgestaute Spannung lösen. Verschiedene musikalische Motive verdeutlichen eindrucksvoll regelmäßig auftretenden filmischen Inhalt. Dank der dem Film vorhergehenden musikalischen Einführung durch Peter Martin, Pianist des Tintinambula-Ensembles, sind die Motive für das Publikum einfacher zu erkennen, zu verstehen und zu interpretieren.

Obgleich das Ensemble diesen Film nicht zum ersten Mal begleitete, musste es sich doch der neuen Technik geschlagen geben. Wegen der Umstellung des Filmmaterials vom Filmstreifen auf DVD verkürzte sich die Spielzeit von 102 auf 75 Minuten. „Um den Charakter der Melodien nicht zu verlieren, mussten wir die Musik kürzen“, verdeutlichte der Musiker die Herausforderung. Ausgewählt hatte diesen Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1920 Dr. Peter Bär, der im Collinicenter das Programmkino „Cinema Quadrat“ betreibt. „Wir müssen auch raus, um Kino zu zeigen“, gefiel ihm die Möglichkeit, Raum und Klang einer Kirche zu nutzen. Pfarrerin Almut Hundhausen-Hübsch freute sich, über dieses Angebot neue Menschen in eine Kirche zu locken. „Kultur findet dort statt, wo die Menschen sind“, machte sie deutlich, dass auch im nächsten Herbst ein Film gezeigt werden soll.

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