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4. Mannheimer Filmseminar - Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie
Luis Buñuel
Veranstalter: Cinema Quadrat e.V., Mannheim Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Heidelberg-Mannheim Psychoanalytisches Institut Heidelberg-Karlsruhe der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung Heidelberger Institut für Tiefenpsychologie
Ansprechpartner: Dr. Peter Bär, Dr. Gerhard Schneider
Programm:
| Freitag, 4. März 2005
| 19:30
| Film 1: L’âge d’or (Das goldene Zeitalter) FRA 1930, 80 Min., OmU Tierra sin pan (”Las Hurdes”) SPA 1932, 32 Min.,
| 21:30
| Film 2: Los Olvidados (Die Vergessenen) MEX 1950 80 Min., DF
| Samstag, 5. März 2005
| 9:00
| Begrüßung
| 9:15
| Referat 1: Psychoanalytische Intuitionen in Luis Buñuels Filmen
Referentin: Mechthild Zeul, Dipl.-Psych., Psychoanalytikerin, Madrid | 10:45
| Pause
| 11:00
| Film 3: Un chien andalou (Ein andalusischer Hund) FRA 1928, 18 Min., ohne Dialoge Referat 2: Luis Buñuel und die französische Avantgarde Referent: Dr. Peter Bär, Filmkritiker, Mannheim Referat 3: Der Schock als Methode Referent: Dr. Gerhard Schneider, Psychoanalytiker, Mannheim
| 12:30
| 1. Diskussionsrunde
| 13:00
| Mittagspause
| 14:00
| Film 4: El angel exterminador (Der Würgeengel) MEX 1962, 93 Min., DF
| 15:45
| Pause
| 16:15
| Referat 4: "Quellen des Negativen": Einbildungskraft, Schwellenangst, Wiederholungszwang. Referent: Dr. Helmut Däuker, Psychoanalytiker, Mannheim
| 17:00
| Referat 5: Die Eingeschlossenen. Operativer Eingriff am lebenden Befund Referent: Prof. Dr. Klaus Kreimeier, Filmwissenschaftler, Berlin
| 17:45
| 2. Diskussionsrunde
| 18: 30
| Pause
| 19:30
| Film 5: Nazarin MEX 1959, 94 Min.
| 21:30
| Film 6: Le charme discret de la bourgeoisie (Der diskrete Charme der Bourgoisie) FRA 1972, 101 Min., DF
| Sonntag, 06. März 2005
| 9:00
| Film 7: Le fantôme de la liberté (Das Gespenst der Freiheit) FRA 1972, 104 Min., DF
| 10:45
| Pause
| 11:15
| Referat 6 : Filmwirkungsprozesse ohne Protagonisten? - Das Gespenst der Freiheit Referent: Prof. Dr. Dirk Blothner, Psychoanalytiker, Köln
| 12:00
| Referat 7: Die Kunst des Abstands in Buñuels Gespenst der Freiheit Referent:: Gerhard Midding , Filmkritiker, Berlin
| 12:45
| 3. Diskussionsrunde
| 14:00
| Voraussichtliches Ende der Veranstaltung
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Die Filme:
L`ÂGE D´OR (DAS GOLDENE ZEITALTER) FRA 1930. R: Luis Buñuel, D: Gaston Modot, Lya Lys, Max Ernst, Pierre Prévert. 80 Min, OmU, FSK - „L’ÂGE D’OR ist der einzige Film meiner Karriere, den ich in einem Zustand von Euphorie Enthusiasmus und Zerstörungsrausch drehte, in dem ich Vertreter der ‘Ordnung’ angreifen und ihre ‘ewigen’ Prinzipien lächerlich machen wollte ; mit diesem Film wollte ich absichtlich einen Skandal herbeiführen. Die Begeisterung, von der ich damals besessen war, habe ich seither niemals wieder gefunden, ebenso wenig wie die Gelegenheit, mich noch einmal in so vollkommener Freiheit ausdrücken zu können. Es war die damalige Epoche, die einen solchen Geisteszustand hervorbrachte, und ich fühlte mich nicht allein: die ganze Gruppe der Surrealisten stand hinter mir. (...)“ (Luis Buñuel) Fr 04.03., 19.30 Uhr
LOS OLVIDADOS (DIE VERGESSENEN) MEX 1950. R: Luis Buñuel, D : Alfonso Mejía, Roberto Cobo, Stella Jada, Miguel Inclán. 80 Min., DF, FSK 16 Die großen Städte der Zivilisation bergen im Schatten ihrer stolzen Prachtbauten Elendsviertel, in denen Jugendliche in Schmutz, Hunger und Not aufwachsen. Unter dem Zwang dieser Verhältnisse werden sie dem Verbrechen ausgeliefert. Das ist der Ausgangspunkt für Buñuels Film. Es ist die Geschichte des kleinen Pedro, der gegen den Zufall, das Unglück und das Verbrechen ankämpft, verkörpert in seinem Gegenspieler Jaibo. Als er aufhört, sich ihnen zu beugen, hat er das Verhängnis in Schicksal verwandelt und seinen eigenen Tod besiegelt. Fr. 04.03., 21.30 Uhr
UN CHIEN ANDALOU (EIN ANDALUSISCHER HUND) FRA 1928. R: Luis Buñuel, D: Simone Mareuil, Pierre Batcheff, Jaime Miravilles. 17 Min., ohne Dialoge, FSK - „Als UN CHIEN ANDALOU zum erstenmal vorgeführt wurde, hatte ich mich darauf vorbereitet, die Wut des Publikums über mich ergehen lassen zu müssen. Ich füllte meine Taschen mit Steinen für den Fall daß... – Am Ende des Films erhoben sie sich und klatschten lange Beifall; die Steine wogen schwer in meiner Tasche, ich war perplex aber im Grunde zufrieden.“ So Luis Buñuel über seinen berühmten surrealistischen Erstling. 1928 zerschnitt er zu Beginn seiner phantastischen Schockbilder-Collage das Auge radikal, das bisher Kultur, Religion, Gesellschaft falsch gesehen hatte. Und: Nicht nur das Auge, die Wirklichkeit selber wurde zerschnitten und das Vertrauen in sie durch poetische Provokationen erschüttert. Sa 05.03., 11.00 Uhr
EL ANGEL EXTERMINADOR (DER WÜRGEENGEL) MEX 1962. R: Luis Buñuel, D: Jacquline Andere, Jose Baviera, Augusto Benedicto. 93 Min, DF, FSK 18 Knapp zwei Dutzend Leute, Frauen und Männer der besten Gesellschaft, kultiviert und elegant, reich und verwöhnt, folgen nach einer Theaterpremiere der Einladung des Aristokraten Nobile zu einer Party in seinem Haus. Man unterhält sich, ißt und trinkt, amüsiert sich. Doch niemand macht Anstalten den Salon zu verlassen, obwohl die Party längst vorbei ist. Irgendwann aber muß es sein, bei dem einen oder anderen. Doch es geht nicht über eine bestimmte Linie hinaus, obwohl alle Türen offen stehen, und deshalb wählt man als Notlösung für die Notdurft einen Wandschrank. Aus einem anderen Wandschrank quillt einige Tage und Nächte später das Blut eines Liebespaars, das sich die Adern aufgeschnitten hat : hatten sie Angst das Haus Nobile nie wieder verlassen zu können, oder davor das Haus Nobile und den Wandschrank ihrer Liebe verlassen zu müssen? Sa 05.03., 14.00 Uhr
NAZARIN MEX 1959. R: Luis Buñuel, D:Francisco Rabal, Marga López, Rita Macedo. 94 Min. Videoprojektion, OmU, FSK - Mexiko 1900: es ist die Regierungszeit des Diktators Porfirio Diaz. Im Wirtshaus der Señora Chanfa, das einen Zufluchtsort für den Bodensatz der Bevölkerung darstellt, lebt auch der Priester Nazario. Er nimmt seine Lehre Ernst und versucht Tag und Nacht Mitleid, Liebe und Vergebung zu verwirklichen. Eine Tatsache, die ihm aber lediglich den Spott und die Verachtung seiner Amtsbrüder einbringt. Als die Prostituierte Andara, nach einem Streit in einer Taverne verletzt, in die armselige Unterkunft des Priesters flüchtet, muß dieser seinen Orden verlassen, da Andara hilft und schützt. Die Kirche stößt den, der die Gebote seines Glaubens kompromißlos verwirklichen will, aus. Am Ende steht der Zweifel am Sinn christlicher Ideale und die Gewißheit, daß Menschlichkeit sich nur in irdischer Solidarität verwirklichen läßt. Sa 05.03., 19:30 Uhr
LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE) FRA 1972. R: Luis Buñuel, D: Fernando Rey, Delphine Seyrig, Paul Frankeur. 101 Min., DF, FSK - „Kommen Sie doch zum Essen zu uns!“ Dieser schlichte Satz ist der Ausgangspunkt des Films: sechs Personen tun eigentlich nichts als sich pausenlos gegenseitig zum Essen einzuladen. Ein harmloser Zufall, kleine Widrig- und Seltsamkeiten verhindern ein ums andere Mal die geplanten Diners. Mal irrt man sich im Datum, mal liegt im ausgesuchten Restaurant gerade im Nebenzimmer der jüngst verstorbene aufgebahrt, was den Gästen verständlicherweise den Appetit verdirbt. Einfach nur essen, zusammen zu essen, ist gar nicht so einfach. Doch allen Umständen zum Trotz werden die Formen gewahrt, die Äußerlichkeiten, die kleinen Selbstverständlichkeiten des „savoir vivre“, denn den diskreten Charme der Bourgeoisie kann so leicht nichts erschüttern. Sa 05.03., 21.30 Uhr
LE FANTÔME DE LA LIBERTE (DAS GESPENST DER FREIHEIT) FRA 1972. R: Luis Buñuel, D: Adriana Asti, Julie Bertheau, Jean-Claude Brialy. 103 Min., DF, FSK - Szenisch aneinandergereihte Bilder einer verkehrten, aus den Fugen geratenen Welt: Eine Abendgesellschaft, die sich zur gemeinsamen Verdauung versammelt – statt auf Stühlen sitzen sie auf WCs, während das Essen verschämt auf einem stillen Örtchen eingenommen wird; Mönche beten zunächst für einen Sterbenden und verpokern anschließend ihre Devotionalien. Und so weiter. „Nieder mit der Freiheit!“ rufen zu Beginn des Films die Spanier im Toledo des Jahres 1808. Denselben enthusiastischen Ruf hört man am Ende, als ein Polizeipräfekt und dessen Doppelgänger im Zoo von Vincennes neue Käfige besichtigen. Buñuel denunziert die Rituale des Bürgertums durch ihre Verkehrung – die Anti-Phrase legt die Phrase bloß. „Sprengstoff in einer Pralinenschachtel verpackt“ (Hans Blumenberg) So 06.03., 09.00 Uhr
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