KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center
Art Goes Cinema, 6. Staffel

 

 ART GOES CINEMA

 

Mannheimer KünstlerInnen stellen Filme vor
Eine Filmreihe kuratiert von Dr. Susanne Kaeppele

 

6. Folge November 2009 - Mai 2010

 


Seit März 2007 läuft unter reger Anteilnahme des Publikums und der Presse die Reihe „Art Goes Cinema“ im Cinema Quadrat. Dr. Susanne Kaeppele, freiberufliche Kunsthistorikerin und ehemalige Geschäftsführerin des kommunalen Kinos in Mannheim, hatte die Idee, KünstlerInnen aller Sparten aus Mannheim und der Region mit ihrem Lieblingsfilm vorzustellen. Das kann der heißgeliebte Streifen aus frühen Jahren sein oder derjenige, der den/die KünstlerIn am meisten für ihr Werk beeinflusst hat oder auch filmische Werke von Freunden und Bekannten. Auf diese Weise waren schon Robert Häusser, Ruth Hutter, Fritz Stier, Barbara Hindahl, Susanne Neiß, Einhart Klucke und viele andere zu Gast.


Europa

Den Anfang macht dieses Mal der 1964 geborene, in Mannheim lebende Künstler Peter Schlör, der sich seit vielen Jahren der Schwarz-Weiß-Fotografie widmet, übrigens mit immer größerem Erfolg. Derzeit hat er eine Einzelausstellung im Mannheimer Kunstverein, weshalb es für diese Veranstaltung ausnahmsweise ‚Art Goes Cinema Goes Kunstverein’ heißt! So kann der geneigte Betrachter die Fotografien Schlörs mit dem Film vergleichen, der Schlör außerordentlich anregte:

 

Europa

DEN 1990. R: Lars von Trier. D: Udo Kier, Eddie Constantine, Barbara Sukowa, 112 Min.

Ein deutschstämmiger junger Amerikaner emigriert in das vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Deutschland, um beim Wiederaufbau des Landes zu helfen. Sein Onkel besorgt ihm eine Arbeit als Schlafwagenschaffner. Alle Szenen spielen in der Nacht und bis auf wenige Ausnahmen im Zug. Auf seinen Fahrten lernt Leopold Katharina, Tochter des nationalsozialistisch belasteten Bahnlinienchefs Hartmann kennen, die ihn zum Abendessen in die Familienvilla einlädt. Während er als Ausländer versucht, die gesellschaftlichen Regeln zu verstehen, wird er immer mehr zum Spielball seiner vermeintlichen Förderer. Lars von Trier gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1991 mit EUROPA den Sonderpreis der Jury, den Technik Grand Prix und den Preis für den besten künstlerischen Beitrag.
So. 29.11.09 19.30 Uhr Mannheimer Kunstverein, Augustaanlage 58


Ghost Dog

Im Dezember ist Bernd Böhlendorf unser Gast, ein Ausnahmekunstvermittlungstalent, das heute in Berlin lebt. In den 90er Jahre betrieb er aber den Kunstraum Bernd Böhlendorf in Heidelberg, der mit zu den avanciertesten Kunstprojekten gehört, den unsere Nachbarstadt je gesehen hat! Hier war er zuletzt an der Ausstellung zu „Inseln- Archipele-Atolle“ an der Uni beteiligt und bei PENG! Sein Filmvorschlag ist


Ghost Dog
USA/FRA 1999. R & B: Jim Jarmusch, M: RZA, D: Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman. 116 Min., OmU
Ghost Dog ist ein US-Samurai der 90er Jahre. Er lebt auf dem Dach eines Hochhauses mit seinen Tauben, die ihm als Boten dienen - im Zeitalter von Internet und Handy ein Anachronismus, der ihn schützt und quasi unsichtbar macht. Er arbeitet für den Mafiaboss Louie, der ihm als Kind bei einer Schießerei das Leben rettete. Als Ghost Dog bei einem Auftrag eine zufällig anwesende junge Frau laufen lässt, will der Kopf der Mafiafamilie den unzuverlässigen Killer töten.

So 27.12.2009 19.30 Uhr


Night on Earth

Und im Januar des neuen Jahres beschert uns der Fotograf David Gaiser einen weiteren Jarmusch-Film. David Gaiser, Jahrgang 1954, hat in Karlsruhe an der Kunstakademie studiert, ist seither als Lehrer tätig und hat eigentlich erst vor kurzem mit künstlerischer Digitalfotografie angefangen. Aber sein Werk umfasst schon sehr viele ungewöhnliche Serien und besticht durch die Mischung aus witzigem Konzept und hoher visueller Schönheit. Seine Wahl fiel auf

 

Night on Earth
USA 1991. R & B: Jim Jarmusch, M: Tom Waits, D: Winona Ryder, Gena Rowlands, Armin Mueller-Stahl, Rosie Perez, Béatrice Dalle, Roberto Benigni, Matti Pellonpää.123 Min., OmU

In Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki steigt jemand in ein Taxi und die Fahrt beginnt. Fünf Allerweltsgeschichten, die gleichzeitig, jedoch in unterschiedlichen Zeitzonen spielen, erzählt Jim Jarmusch, rührend, komisch, absurd manchmal, Touristenanekdoten eines etwas anderen Reisenden. Jarmusch konnte seine filmische Reflexion über die Zeit mit einem riesigen Staraufgebot besetzen und Tom Waits machte die Musik dazu.
So 31.01.2010 19.30 Uhr


Freunde

Im Februar gibt es dann wieder ein ungewöhnliches Experiment zu sehen: Wolfgang Sautermeister, einer der Macher von zeitraumexit, präsentiert unter

 

Freunde.
unbekanntes Filmmaterial und Videos von Künstlerfreundinnen und – freunden. Wolfgang Sautermeister, Jahrgang 1954, ist als Performance-Künstler aktiv, macht Malerei und Zeichnung, betreibt Kunstvermittlung und ist Mitbegründer von zeitraumexit, dem ungewöhnlichen Theater- und Kunstprojekt im Jungbusch.
So 28.02.2010 19.30 Uhr

 


Teorema

Unser Gast im März ist der Galerist Angelo Falzone, der seine Karriere als unermüdlicher Vermittler von Kunst und Künstlern in dem wunderbaren Kunstraum „Halskratz“ begann, woran sich hoffentlich noch viele erinnern. 1965 geboren, hatte er von Anfang an sehr gute Kontakte nach Italien, stellt aber auch zeitgenössische deutsche Kunst aus. Wichtig war seine Entwicklung des Terminus „Ironischer Italienischer Konzeptualismus“ zur Beschreibung avantgardistischer Kunst aus Italien, der mittlerweile ein fester Begriff in der italienischen Kunstgeschichte geworden ist. Der Film seiner Wahl ist


Teorema
Italien 1968. R: Pier Paolo Pasolini, D: Terence Stamp, Silvana Mangano, Massimo Girotti. 98 Min., Omengl.U
Ein schöner, schweigsamer junger Mann kommt wie ein Gott als geheimnisvoll angekündigter Besuch in eine Mailänder Industriellenfamilie. Er erweckt bei allen Hausbewohnern – den Eltern, den beiden erwachsenen Kindern, dem bäuerlichen Hausmädchen – bisher verdrängte und verborgene Wünsche, die sich zuerst als sexuelles Begehren kundtun. Nachdem jeder auf seine Weise diese ersehnte Vereinigung mit dem Unbekannten erfahren hat, verschwindet er wieder – aber nach dem Besuch ist nichts wie vorher. Formale Strenge, Farbe, Star-Schauspieler und gehobenes Milieu: Pasolini überraschte 1968 damit, dass er die Probleme der Bourgeoisie in den Mittelpunkt stellte und die Kritik an dieser Klasse auch noch im Namen eines Heiligen vortrug. TEOREMA provozierte sowohl die Marxisten als auch die Katholiken.
So 28.03.2010 19.30 Uhr


Die fetten Jahre sind vorbei

Die junge Malerin Lena Reutter kommt im April ins Cinema Quadrat. 1978 in Filderstadt geboren, studierte sie in Heidelberg und malt träumerische, aber immer erkennbar bleibende Räume, Orte und Gegenstände, die den Betrachter verzaubern. Sie schätzt den Film


Die fetten Jahre sind vorbei
D/Ö 2004, R: Hans Weingartner, D: Stipe Erceg, Julia Jentsch, Daniel Brühl, Hanns Zischler u.a. , 127 Min.
Jan, Peter und Jule sind drei unbekümmerte junge Rebellen, die außer ihrem Unbehagen über den Zustand dieser Welt noch eines eint: ihr tiefsitzender Wille, daran etwas zu ändern. Den Reichen ihrer Stadt lassen Jan und Peter als „die Erziehungsberechtigten“ gewaltlos mysteriöse Botschaften zukommen: „die fetten Jahre sind vorbei“. Die Komplikationen beginnen, als die sensible Jule sich in beide Männer verliebt. Waghalsige Aktionen bringen die drei in Gefahr. Als ein Streifzug schief läuft, führt das, was nie als Kidnapping geplant war, zu einer Konfrontation der drei jungen Idealisten mit der Generation, die an der Macht ist.
So 25.04.2010 19.30 Uhr


The Mission

Im Mai kommt die koreanische Malerin Kyung-Hee Lee-Schumacher ins Cinema Quadrat. 1946 in Kwangju/Süd-Korea geboren hat die Künstlerin, die ursprünglich Ärztin war und lange Zeit in Afrika gelebt hat, erst im Jahr 2000 angefangen, an der Freien Kunstakademie Mannheim Kunst zu studieren. In vielen Ausstellungen präsentierte sie seither ihre vehementen Farbmeditationen, die sich einer tiefen Spiritualität verdanken und ihr malerisches Können unter Beweis stellen. Der Film, der ihr am meisten am Herzen liegt, ist


The Mission - Die Mission
GB 1986, R: Roland Joffé, D: Robert de Niro, Jeremy Irons, Liam Neeson u.a., M: EnnioMorricone, 126 Min.
Im südamerikanischen Urwald kämpfen Mitte des 18. Jahrhunderts spanische und portugiesische Conquistadores um Macht und Einfluss. Robert De Niro spielt den spanischen Soldaten Mendoza, der nach einem tödlichen Streit mit seinem Bruder mit seinem bisherigen Leben bricht und sich einer Jesuiten-Mission anschließt, die sich um die verfolgten Ureinwohner kümmert. Mendoza findet in der aufopferungsvollen Arbeit der Dschungelmission seinen Seelenfrieden wieder, doch am Ende triumphiert die Macht der Gewalt; Missionare und Ureinwohner werden von spanischen Soldaten niedergemetzelt, weil sie den Interessen der Kolonialherren entgegen stehen.
So 30.05.2010 19.30 Uhr