KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center

Vulkanausbrüche auf der Leinwand

 

Publikation: Mannheimer Morgen, 26.10.2009

Autor: Bernd Mand

 

Zum 24. Mal veranstaltete Mannheims kommunales Kino im Collini-Center das Mannheimer Filmsymposium. Das Thema der dreitägigen Veranstaltung in den Räumen des Cinema Quadrat war die Digitalisierung der Filmwelt und ihre Auswirkung auf die formale Ästhetik und Wirkung des digitalisierten Films auf den Zuschauer. Filmkritiker Rüdiger Suchsland stellte die entscheidende Frage für jegliche Auseinandersetzung mit den technischen Erneuerungen der digitalen Welt. "Was sehen wir eigentlich im Kino?", fragte der Autor und langjährige Mitarbeiter des Filmfestivals Mannheim-Heidelberg. Und eröffnete eine siebenteilige Vortragsreihe, die sich von unterschiedlichsten Seiten damit beschäftigte, ob die zunehmende Digitalisierung der zeitgenössischen Filmproduktion eine bloße technische Erweiterung des Methodenhaushaltes ist oder sich auch eine künstlerische Chance dahinter versteckt. 

 

Einigkeit schien im Plenum von Filmwissenschaftlern, Filmschaffenden und Filminteressierten darüber zu herrschen, dass die Digitalisierung das filmische Bild neu zu definieren scheint. Erweiterte technische Möglichkeiten schaffen nicht nur neue künstlerische Freiräume, sondern sorgen auch für eine neue Art von Erzählung, die sich weniger an der ursprünglichen Abbildungsähnlichkeit des Filmes orientiert und sich seine Referenzen in erfundenen oder simulierten Welten sucht. Weit entfernt klingt einem Jean-Luc Godards legendärer Ausspruch in den Ohren, dass der Film nichts anderes sei, als die Wahrheit in 24 Bildern pro Sekunde. Die Wahrheit können wir uns inzwischen allerdings weitestgehend selbst herstellen und von Abbildung kann in digital produzierten Bildern häufig kaum noch die Rede sein. Aber nicht nur die Produktion von Filmen ändert sich zunehmend, wie Kameramann Rolf Coulanges deutlich machte, sondern eben auch die Wahrnehmung des Zuschauers, der sich Filme mittlerweile beinahe an jedem Ort mit einem frei wählbaren Medium ansehen kann und sich fern ab vom Kinosaal seine neuen Rituale beim Filmgenuss schafft.

Mehr als nur gute Bilder

Das Festivalteam unter der Leitung von Peter Bär stellte ein straffes Programm von Diskussionsrunden, Vorträgen und Filmbeispielen zusammen, das sich mit sicheren Schritten zwischen Theorie und Praxis bewegte. In bildreichen Werkstattberichten von Filmschaffenden wurde der Blick immer wieder auf die praktische Arbeit der Filmschaffenden gelenkt. So berichtete Marc Reiser, Mediengestalter am Nationaltheater, von der Suche nach der Grenze der Realität bei seinem Spielfilm "Die Räuber" und Sebastian Leutner wies das Publikum ein in die aufwendige technische Entstehungsgeschichte des Fernsehfilms "Vulkan".

Bei aller kritischen Auseinandersetzung mit dem digitalen Bild schimmerte doch bei allen Beteiligten irgendwie beruhigend der Konsens darüber durch, dass Film immer noch mehr ist, als eben nur ein gutes Bild.

 

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