Die Schöne muss sterben
Publikation: Rheinpfalz 29.10.2008
Autor: Susanne Schütz
Lieben und sterben im Kino: Dem weiten Feld „Eros und Tod“ war das 24. Mannheimer Filmsymposium im Cinema Quadrat gewidmet. „Ein Thema, für das ich keine Lösung habe, die haben wir alle nicht“, bekannte der Kieler Kunstwissenschaftler und Eröffnungsreferent Norbert Schmitz.
Ein Mann tötet seine Angebetete – weil er ihre Schönheit nicht erträgt, sich ihrer nicht sicher ist. „Alle Schönheit muss sterben“, lautet der Refrain im zugehörigen Song von Nick Cave aus der Reihe seiner „Murder Ballads“. Im Video dazu spielt Kylie Minogue die erschlagene Schöne, Cave hölzern den Mörder. Wenig besser als Kylie geht es der unbekannten Schwimmerin im Kurzfilm „Depth Solitude“ der Norweger Thomas Lien und Joachim Solum: Sie ist das Objekt der Begierde eines seltsamen Tauchers, der am Boden eines Schwimmbeckens lebt. Eines Tages ergreift er sie und reißt sie mit in die Tiefe, auf dass sie ihn nie mehr verlässt. Kann sie auch nicht, denn sie ertrinkt.
Zwei eher antifeministische Eröffnungsfilme zum Symposium, die Frauen als bloße Objekte zeigen, bar jeder Handlungsmöglichkeit und Individualität. Und die leider weiter auf eine düstere Realität verweisen: Fast täglich gibt es Nachrichten von getöteten Frauen, Opfer häuslicher Gewalt, oft beschönigend „Beziehungsdrama“ genannt. Was der Mann nicht haben kann, zerstört er.
Ein bisschen mag die alte christliche Lehre dahinter stecken, dass weibliche Sexualität sündhaft ist, ihr Zurschaustellen bestraft werden muss, wie Kunsthistoriker Norbert Schmitz anhand von Hans Baldung Griens halbnackter Schönen demonstriert, die der Tod umfasst („Der Tod und das Mädchen“). Unerfüllte Liebe treibt aber auch Männer in den Selbstmord, zeigt Schmitz mit Michelangelo Antonionis „Der Schrei“.
Im japanischen Geisterfilm der 1950er und 1960er Jahre wiederum bekommen die von Männern gequälten Schönen ihre Chance auf Rache, wie Filmkritiker Gerhard Midding aufzeigte. Meist sind die Geister weiblich, Opfer einer Vergewaltigung oder anderen Unrechts. „Durch den Geisterstatus erfährt die Frau eine Ermächtigung, fast scheint es, als werde Abbitte geleistet für Generationen von Frauen, die unter Männern leiden mussten“, so Midding.
Der weibliche Orgasmus heißt in Frankreich „der kleine Tod“. Die Diskussion darüber hat nicht zuletzt Georges Bataille gesellschaftsfähig gemacht, dessen 1961 erschienenes Werk „Die Tränen des Eros“ über die Verbindung von Eros und Thanatos quasi Ausgangspunkt des Filmwochenendes war. „Nosferatu“ und, passender, Cronenbergs „Crash“ dienten zur Veranschaulichung. Schweigen sollte man aber besser über Karl Nussbaums experimentellen Egotrip, der der Holocaust-Erfahrung seiner Eltern und Grenzerfahrungen seiner Liebsten in wilden Bilderfolgen nachgeht und trotz seines Titels „Thanatos und Eros – The Birth of the Holy Freak“ wenig zur Erhellung des Themas beiträgt.
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