KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center
Beim Blattsalat mit Schwarzenegger

Publikation: Mannheimer Morgen

Autor: Martin Tangel

 

"Ich bin der Jost", stellt sich gestern Jost Vacano (72) ganz locker im Cinemaxx vor. Der Hollywood-Kameramann hat Kino-Thriller wie "RoboCop", "Total Recall" und "Starship Troopers" gedreht, speiste mit Stars wie Arnold Schwarzenegger im Wohnwagen in der mexikanischen Wüste und ist mit Regisseuren wie Wolfgang Petersen und Paul Verhoeven auf Du und Du. Für die Kameraführung in "Das Boot" nominierte ihn die amerikanische Film-Akademie 1982 sogar für einen Oscar. Doch der gebürtige Osnabrücker ist kein bisschen eingebildet, plaudert an diesem Vormittag auf Einladung der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und des Cinema Quadrats mit Schülern sehr sympathisch über seinen Film "Hollow Man" im Cinemaxx - und Jost kann eine Menge erzählen.

Bei "Tatort"-Folgen stand Vacano hinter der Kamera, arbeitete fürs Fernsehen mit Peter Zadek und Ulrich Schamoni, sein erster großer Kinoerfolg war 1975 "Die verlorene Ehre der Katharina Blum". "Das war noch reales Filmen", blickt der 72jährige zurück auf die lange Zeitspanne bis "Hollow Man" (2000). In diesem Science-Fiction-Thriller von Regisseur Paul Verhoeven musste der Kameramann das Unmögliche möglich machen - nämlich einen Unsichtbaren filmen. "Von den 100 Millionen Dollar Produktionskosten haben wir die Hälfte für die Spezialeffekte ausgegeben," erzählt Jost Vacano. Nur mit Gummi-Maske, in seinem Mantel, als brennende Fackel, durch die Wärmebild-Kamera sowie im Nebel oder als feuchte Spukgestalt ist Sebastian Caine (Kevin Bacon), der exzentrische Wissenschaftler, sichtbar. "Da musst du schon eine Menge Tricks drauf haben", berichtet Jost aus seinem reichen Schatzkästchen an Erfahrung.Aber auch banale Zwischenfälle haben die gut sechsmonatigen Filmarbeiten erschwert. So verletzte sich Hauptdarstellerin Elisabeth Shue am Set beim Trampolinspringen an der Achillesferse. "Das bedeutete sechs Wochen Pause. Und dann humpelte Elisabeth, was im Film natürlich keiner merken darf", seufzt Vacano. Keine Bange, der Zuschauer bekommt das Handicap der Schauspielerin dank exzellenter Kameraführung nicht mit.Extrem spannend die Schluss-Szenen, so mag's Verhoeven: Die beiden übrig gebliebenen Helden sind dem blutigen Massaker des Unsichtbaren im Geheimlabor entkommen und müssen dem Hollow Man nun durch einen Aufzugsschacht entfliehen. Wie ist so eine Sequenz in dieser Enge zu filmen? "Da werden verschiedene Motive aneinander gereiht", antwortet der Kameramann. Der Kulisse selbst war sechs, sieben Stockwerke hoch an einem Parkhaus nachgebaut worden. Und durch abnehmbare Seitenwände konnte Jost das Inferno aus immer wieder anderem Blickwinkel filmen.Mit Verhoeven dreht Vacano gerne: "Regisseure sind nicht einfach, alle ein bisschen verrückt. Paul zum Beispiel kämpft bei einer Szene um jede Kleinigkeit", schildert uns Jost die Arbeit mit dem Niederländer. Lustig sei's mit Schwarzenegger gewesen, als sie 1990 zusammen "Total Recall" drehten. "Arnold war froh, dass er mit mir deutsch sprechen konnte. So haben wir uns immer in seinem Wohnwagen zum Mittagessen getroffen. Arnold hat dafür doch tatsächlich jedes Salatblatt aus Kalifornien nach Mexiko einfliegen lassen. Deshalb waren wir wohl die einzigen, die damals bei den Dreharbeiten von Montezumas Rache verschont blieben", erinnert sich Jost Vacano mit einem süffisanten Lächeln.

 

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