KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center
Film und Raum

Publikation: Film-Dienst 23/2006
Autor: Felicitas Kleiner

 

Ein metallverkleideter, bläulich schimmernder Schacht, der sich zentralperspektivisch verjüngt und ins gleißende Licht führt: Das Motiv aus dem ungarischen Film „Kontroll“ (2003) von Nimrod Antal, das das Plakat des 21. Mannheimer Filmsymposiums (20.-22.10.) zierte, führt eindrücklich zu dessen Thema hin: dem filmischen Raum, der viel mehr ist als nur ein Hintergrund, nämlich ein zentrales Ausdrucksmittel der Filmsprache, das Atmosphäre prägen, untergründige Aspekte der Handlung und der Figurengestaltung sichtbar machen und symbolische Ebenen eröffnen kann. „Kontroll“ war einer der Filme, die im Rahmen des Symposiums präsentiert wurden; außerdem gab es drei Kurzfilmprogramme und den französischen Stummfilm „L’Inhumaine“ von Marcel L’Herbier. Ein Highlight war die Präsentation des fast in Vergessenheit geratenen Film noirs „Stranger on the Third Floor“ von Boris Ingster (1940); eindrücklich darin eine Albtraum-Sequenz mit ins Riesenhafte verzerrten Schatten, in der der Protagonist seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl imaginiert; ein eindringlicher Beleg der stilistischen Verwandtschaft der Film-noir-Welten mit dem expressionistischen Kino. Neben solchen Filmerlebnissen bot die Tagung im Mannheimer Programmkino „Cinema Quadrat“ ein interdisziplinäres Programm: Der Psychologe Günter Minas schuf gute Verständnisgrundlagen, indem er in die physiologischen und gestaltpsychologischen Bedingungen der Raumwahrnehmung einführte; der Kunsthistoriker Norbert M. Schmitz verglich die Entwicklung des „Classical Style“ des Mainstreamkinos mit der Entdeckung der Zentralperspektive in der Renaissance und erhob sie zur „symbolischen Form“ des 20. Jahrhunderts; trotz aller postmodernen Brechungen habe sich daran bis in die Gegenwart nichts geändert. Rüdiger Suchsland wies auf bezeichnende Topoi in der Raumpoetik des amerikanischen Kinos hin; Ernst Schreckenberg arbeitete heraus, dass Räume im Film nicht nur visuell, sondern auch akustisch generiert werden, was im Zusammenspiel von Bild und Ton gerne zur Irritation des Zuschauers verwendet wird. Insgesamt gelang dem dreitägigen Symposium einmal mehr, einen Aspekt der Filmästhetik ebenso erhellend wie unterhaltsam von unterschiedlichsten Seiten zu beleuchten und dem Publikum nahe zu bringen.

 

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