KOMMUNALES
KINO MANNHEIM
im Collini-Center
Räume und Träume

Publikation: Rhein-Neckar-Zeitung
Autor: Franz Schneider

 

Es ist eine Institution, das Mannheimer Filmsymposium. Alljährlich abgehalten im Cinema Quadrat, hat man dort schon viele Themen zum Film diskutiert, analysiert und interpretiert. „Licht“, „Zeit“, sogar „Wahrheit“, aber der „filmische Raum“ fehlte noch, nun war er dran. Dr. Peter Bär und sein Team verfügt dabei über einen festen Stamm von Referenten, teilweise von der Hochschule, oft aber auch freischaffende Publizisten. Der Reiz des Programms liegt prinzipiell in der gekonnten Kombination von Filmvorführungen und Wortbeiträgen. Die Auswahl der Filmbeispiele ist oft schlicht exquisit, ob wie in diesem Jahr Kino aus Osteuropa oder Seltenes der schwarzen Serie. Ferner gelingt es den Veranstaltern souverän, interdisziplinär andere Fachgebiete zu integrieren.

So präsentierte diesmal Kurzfilme wie etwa von Mauricio Kagel oder auch jüngste Produktionen der Hochschule Mannheim. Bemerkenswert vor allem der nur fünfminütige Beitrag „1 ZKB“ von Kilian Rüth, Benedikt Kuhn und Nelli Fedtke, der exemplarisch das Verhältnis von Mensch und Raum im Film vorführt. Ein Soldat findet eine zerstörte Wohnung vor, die im als Versteck dient und in der er sich notdürftig einrichten muss. Überhaupt waren die vielen Kurzfilmbeispiele eine gute Idee, da sie sozusagen das Problem in Reinform vorführen. Das Problem der subjektiven Wahrnehmung von Räumen und den Versuchen, sich darin zu orientieren, die Möglichkeiten, sie mit den heutigen technischen Mitteln zu gestalten, sowie die kulturelle Identität stiftende Funktion von Raumgebilden und Gebäuden.So erklärte zu Beginn der Mainzer Psychologe Günter Minas die psychologischen Grundlagen der Raumwahrnehmung und das Phänomen optischer Täuschungen, wie am Tag darauf Architekt Manfred Koob sehr faszinierend die heutigen Möglichkeiten vorführte, mittels Computersimulation zerstörte und verschwundene Bauwerke wie die chinesischen Kaisergräber aufgrund auch sehr rudimentären Datenmaterials wieder zu errichten, ja vor allem auch ihre historische Gewordenheit zu demonstrieren. Eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft zugleich. Filmkritiker Rüdiger Suchsland dagegen belegte an einem speziellen Fall wie eine bestimmte Lokalität zum Selbstverständnis einer Gemeinschaft, ja Nation beitragen kann. Er zeigte anhand von Filmbeispielen die Bedeutung der „Cabin“, der kleinen Holzhütte im tiefen Wald, in der einst auch ein Abraham Lincoln geboren wurde, Beweis der Bodenständigen und Naturwüchsigkeit des amerikanischen Traums.Generell gelang damit den Referierenden die Gratwanderung zwischen theoretischem Fundament und visueller Anschaulichkeit, allerdings schien doch bisweilen der Reiz der teilweise erlesensten Filmbeispiele (2 min. Scorsese, Godard, Brüder Taviani oder Tarkovskij) Argumentation, Struktur und Thesen des Referats zu überlagern. So ein Symposium ist eben immer auch ein kleines Filmfestival.

 

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