Publikation: Rhein-Neckar-Zeitung Autor: Stefan Otto
lautete der Untertitel des diesjährigen Mannheimer Filmsymposiums "Wahrnehmen und Gestalten", das am verlängerten Wochenende vom 3. bis 5. Oktober im Mannheimer kommunalen Kino Cinema Quadrat stattfand. "Die meisten Sachen, die wir in einem Film unterbringen, sind wirklich verloren, und trotzdem dienen sie ihm [...]" Der Referent Dr. Dirk Blothner stützte in seinem Vortrag dieses scheinbar widersprüchliche Zitat Alfred Hitchocks und führte vor, wie der Regisseur mit seinem Publikum "spielte", wie er dessen Reaktionen antizipierte und sie von vornherein in die Gestaltung seiner Filme einbezog. Dirk Blothner analysierte Bild für Bild die Eingangssequenz von Hitchcocks "Vertigo" (eine Verfolgungsjagd über den Dächern von San Francisco) und machte plausibel, dass die Wirkungsprozesse, die im Publikum während der aktuellen Filmrezeption stattfinden, andere sind als die Nach- oder Auswirkungen von Filmen.
Andere Referenten des Symposiums näherten sich dem Thema "Wahrnehmen und Gestalten" von anderen Seiten. Der Mannheimer Psychiater Dr. Jörg Nikitopoulos sprach über medizinische Wahrnehmungsbedingungen, veränderte Bewusstseinzustände und ihre bildliche Konsequenz in Filmen. Der Mediengestalter Marc Reiser stellte physikalische Wirklichkeit, Naturalismus und Abstraktion in Theater und Film anschaulich einander gegenüber. Dr. Lothar Prox, Professor für Medienästhetik, referierte über die Emotionalisierung der Filmzuschauer durch Soundtrack und Musik. Die Qualität der Vorträge variierte, immer wurden sie jedoch von bedacht ausgewählten Filmbeispielen begleitet.
Dr. Peter Bär, seit 18 Jahren verantwortlicher Leiter der filmkundlichen Symposien, hielt in diesem Jahr zum ersten Mal auch selbst einen Vortrag. Sein Thema war David Finchers Film "Fight Club", in den an vier Stellen einzelne Bildkader eingeschnitten sind, die den Hauptdarsteller Brad Pitt zeigen. Brad Pitt ist jedoch jeweils nur so kurz zu sehen, dass der Zuschauer, der den Film in normaler Vorführgeschwindigkeit sieht, ihn nicht wahrnehmen kann. Nicht ausdrücklich für sein Referat, das dennoch eines der interessantesten des Wochenendes war, sondern für sein langjähriges Engagement wurde Peter Bär auch von den Laudatoren, die anlässlich zweier Empfänge sprachen, sehr gelobt. Bis auf schöne Worte erhielt er bislang jedoch keine keine offizielle Anerkennung, und der Etat wurde ihm jüngst um 700,- ? gekürzt. Wenigstens bleibt ihm die fachliche Anerkennung und besonders der Zuschauerzuspruch, der dieses Jahr zumindest an den ersten beiden Tagen der Veranstaltung für ein volles Haus sorgte.
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